{"id":218,"date":"2015-04-09T13:09:23","date_gmt":"2015-04-09T13:09:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?page_id=218"},"modified":"2016-07-18T10:28:31","modified_gmt":"2016-07-18T10:28:31","slug":"kultur","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?page_id=218","title":{"rendered":"Kultur"},"content":{"rendered":"<h3>Der Merkw\u00fcrdige \u2013 mein Nachruf auf G\u00f6tz George<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/goetz1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-374 size-full\" src=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/goetz1.jpg\" alt=\"goetz1\" width=\"418\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/goetz1.jpg 418w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/goetz1-300x217.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00f6tz George hat uns in vielen Rollen fasziniert. Auf der B\u00fchne, im Kino und im TV. So richtig &#8222;ber\u00fchmt&#8220; wurde er jedoch als meist schlecht gelaunter Tatort-Kommissar, der gerne auch mal selbst Hand anlegte, um \u00a0Verbrechen in den Griff zu bekommen und \u00dcbelt\u00e4ter unsch\u00e4dlich zu machen. Sicherlich h\u00e4tte dieser Schimanski statt Horst auch Manni, Alex oder Otto hei\u00dfen k\u00f6nnen. \u00a0W\u00e4hrend wir bei Erik Ode oder dem &#8222;Alten&#8220; schon in den Keller unseres Ged\u00e4chtnisses hinab steigen m\u00fcssen, um die Spielnamen zu ermitteln, wurde Schimanski durch den gro\u00dfartigen Schauspieler G\u00f6tz George zu einem wirklich merkw\u00fcrdigen Typen. Besonders deswegen, weil er den Zuschauern durch die Intensit\u00e4t seines Spiels ans Herz und oft auch an die Nieren ging. Niemand fluchte damals so heftig und deftig wie der Bulle aus dem Pott.<\/p>\n<p>Mit einem ungeheuren Energiepotential und einer beneidenswerten Physis ausgestattet lebte der Sohn des damals \u00fcberaus ber\u00fchmten Film- und Theaterstars Heinrich George auch abseits des Spielbetriebs seinen unbedingten Willen zum Widerspruch in einem Ma\u00dfe aus, das hierzulande immer noch von vielen als eher st\u00f6rend denn als Sinn stiftend empfunden wird. Sein Leben lang vermochte George der allgegenw\u00e4rtigen Gefall- und Benimmsucht zu widerstehen. Unvergesslich wie er, auf dem Sofa der Nation sitzend, einem zwischen Cornelia Harfouch und sich selbst hin und her gerissenen Thomas Gottschalk den Gehorsam verweigerte und einfach keine Lust darauf hatte, sein Projekt auf eine d\u00fcmmlich-naive Art und Weise zu popularisieren, die aus ihm genau den Popanz gemacht h\u00e4tte, der er nie war.<\/p>\n<p>Wenn es ihm um die Sache ging, scherte er sich einen Dreck um Konventionen oder politische Korrektheit. George wollte sich weder mit den Medien noch mit der Macht \u00fcber die Ma\u00dfen arrangieren. Er wird fr\u00fch erlebt haben, dass auch die gr\u00f6\u00dfte Kunst im Glamourdunst von Oberfl\u00e4chlichkeit, Exzessen und Eitelkeit dem Niedergang geweiht ist. Zum Gl\u00fcck hat er nicht zu sp\u00e4t herausgefunden, das man sich aus all\u00b4 dem am besten heraus h\u00e4lt, indem man so oft wie m\u00f6glich das Weite sucht.<\/p>\n<p>Ganz nah kam mir G\u00f6tz George 2013 in der ehemaligen Gr\u00fcndgens Villa in Potsdam. \u00a0In \u201eGeorge\u201c spielte ich einen ziemlich verspannten, ungebetenen Nazi, der argw\u00f6hnisch betrachtet, wie G\u00f6tz in der Rolle seines Vaters Heinrich den frisch gebackenen Intendanten gibt, der im kleinen Kreis feiert und dem aufziehenden Unheil die Stirn bietet. W\u00e4hrend er die Kunst noch \u00fcber allem w\u00e4hnt, wird drau\u00dfen schon gez\u00fcndelt und in einer Art und Weise gekeift und gep\u00f6belt, wie es vor kurzem auch in Sachsen der Fall war, als ein versch\u00fcchtertes, weinendes Kind von Beamten unter Beifall ewig Gestriger aus einem Bus gezerrt wurde. \u00a0Wie sehr h\u00e4tte man sich da einen \u00fcber einen Typen wie Schimanski gefreut.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Immer im Bilde<\/h3>\n<h3><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LTTC_Liebscher_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-113\" src=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LTTC_Liebscher_1-739x1024.jpg\" alt=\"LTTC_Liebscher_1\" width=\"739\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LTTC_Liebscher_1-739x1024.jpg 739w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/LTTC_Liebscher_1-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Drei Gedichte<\/h3>\n<p>Wer heutzutage das Wort \u201cLyrik\u201d h\u00f6rt, denkt meist an etwas verstaubte Gedichte. Zu Unrecht, wie ich meine. Im Gegensatz zu den allgegenw\u00e4rtigen, schnelllebigen und manchmal auch oberfl\u00e4chig formulierten Bloggs und Posts der Generation 2.0., kann ein exzellent verfasstes Gedicht mehr als \u201cnur\u201d informieren bzw. unterhalten. Ein Gedicht kann Leser auch heutzutage auf eine besondere Art und Weise verf\u00fchren, entf\u00fchren und ber\u00fchren. Zudem k\u00f6nnen auch aktuelle Themen \u201clyrisch\u201d interpretiert werden. Um zu zeigen, wie so etwas funktioniert, habe ich Euch im Anschluss drei Gedichte eingestellt, die unterschiedlicher kaum sein k\u00f6nnten. Viel Spa\u00df beim Lesen. Auf Anfage greife ich auch f\u00fcr Auftragsgedichte zur Feder. Ganz egal, ob es um die ganz, ganz gro\u00dfe Liebe, ein neues Produkt oder ein besonderes Event geht. In jedem Fall wird dem Auftraggeber besondere Aufmerksamkeit zuteil. Wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe? \u201cFrei will ich sein im Denken und im Dichten; im Handeln schr\u00e4nkt die Welt genug uns ein\u201d!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Einer von Sechsen<\/h3>\n<p>Als einer von Sechsen kommt er zur Welt,<br \/>\nwill heraus aus der Masse und tun was gef\u00e4llt,,<br \/>\ndie Grande Nation begeistert er bald<br \/>\n\u201eJe t\u00b4aime\u201c rufen sie \u2013 ob jung oder alt.<\/p>\n<p>Erst den Cyrano, dann Obelix,<br \/>\nder Kerl spielt sie alle, da kennt er nix.<br \/>\nAuch 1492 erste Wahl,<br \/>\nentdeckt er mit uns die Welt noch einmal.<br \/>\nSchnell wird aus ihm ein Kinostar<br \/>\nund ich fand ihn wirklich wunderbar.<\/p>\n<p>Weltweit beliebt und sehr respektiert,<br \/>\nwar man auch nur leicht irritiert<br \/>\nals er ins Flugzeug uriniert,<br \/>\nda er doch musste, sogar fragte<br \/>\nwas eine \u201eSchubse\u201c zu verneinen wagte.<\/p>\n<p>Selbst als er schwerstbetrunken rollert,<br \/>\nst\u00fcrzt, p\u00f6belt, einem Landsmann eine donnert,<br \/>\ndenkt sich die Mehrheit insgeheim,<br \/>\nso ist der halt, so darf der sein.<\/p>\n<p>Doch trotz Palais, Millionen und eigenem Wein<br \/>\nwill er nicht recht zufrieden sein.<br \/>\nSo zieht es ihn nach Belgistan<br \/>\ndenn \u201eHollande\u201c kann er ja \u201enit verstaan\u201c,<br \/>\nVoil\u00e0 \u2013 franz\u00f6sisch sprechen sie dort auch<br \/>\nund trunken fahren ist da Brauch.<br \/>\nAllein, auch das reicht ihm noch nicht,<br \/>\nnun spuckt er der Heimat erneut ins Gesicht.<br \/>\nAnscheinend v\u00f6llig egotrunken<br \/>\nhat er verloren diesen Funken,<br \/>\ndieses unsichtbare Element,<br \/>\ndas man gemeinhin W\u00fcrde nennt.<\/p>\n<p>Eingepresst in Russentracht<br \/>\nwird er von Frauen ausgelacht,<br \/>\ndie sich wahrscheinlich einfach denken<br \/>\nwie kann der Mann sich so verrenken?<br \/>\nWarum nur beugt ein gro\u00dfer K\u00fcnstler ohne Not<br \/>\nsein Haupt vorm Zaren, pardon Despot?<br \/>\nUm schn\u00f6den Mammon zu bewahren<br \/>\nl\u00e4sst er den letzten Anstand fahren.<\/p>\n<p>Als einer von sechs kam er hier an,<br \/>\ngeblieben ist ein fetter, reicher bedauernswerter alter Mann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Sansibar<\/h3>\n<p>Wo der Wind die Welle treibt<br \/>\nwo sich Gestein zu Sand verreibt.<br \/>\nWo sich die D\u00fcne sanft verliert,<br \/>\nwo klare Luft Dich inspiriert.<\/p>\n<p>Wo alles kann und nichts sein muss,<br \/>\nFreiheit, Freunde, \u00dcberfluss.<br \/>\nWo alles scheint im Wechselspiel,<br \/>\nvon Nichts zu wenig, von Nichts zuviel.<\/p>\n<p>Da liegt versteckt an einem langen, breiten Strand<br \/>\nein Ort des Gl\u00fccks auf meerumsp\u00fcltem Land.<br \/>\nHier findest Du Gelassenheit<br \/>\nbei gutem Wein und Heiterkeit<\/p>\n<p>Ach k\u00f6nnt\u00b4 ich doch nur jedes Jahr<br \/>\nnach Sylt in meine Sansibar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Bedeutend, nicht bet\u00e4ubend. Ein Nachruf auf Marcel Reich Ranicki<\/h3>\n<p>Die Zeit ist um, ich bin betroffen, Marcel ist tot, auf wen soll man jetzt hoffen?<\/p>\n<p>Wie oft hat er mich begeistert. F\u00fcr mich war MRR immer dann am besten, wenn man ihn h\u00f6ren und sehen konnte. Wie oft bin ich wach geblieben, um live zu erleben, wie er zu sp\u00e4ter Stunde beim \u201eLiterarischen Quartett\u201c in allererster Reihe sa\u00df und sein Team aufmischte.<\/p>\n<p>Sein bestes Bonmot gab er allerdings in einem TV-Format, das nicht gerade bekannt daf\u00fcr ist, in die Tiefe zu gehen. Er war bei \u201eWetten, dass?\u201c zu Gast. Stefan Raab hatte gerade mit \u201eWadde hadde dudde da?\u201c deb\u00fctiert und nachdem sich der verst\u00f6rende Applaus endlich gelegt hatte, fragte Thomas Gottschalk einen etwas ratlos und skeptisch dreinschauenden MRR, ob es ihm denn gefallen h\u00e4tte. Und w\u00e4hrend ich mich schon im Tunnel des Fremdsch\u00e4mens befand, antwortete dieser gro\u00dfe Geist auf die erdenklich trivialste und genialste Art und Weise.<\/p>\n<p>Er rettete sich nicht in ein bildungsb\u00fcrgerliches \u201ede gustibus non disputandum est\u201c. Er bem\u00fchte keinen Euphemismus, um sich aus Aff\u00e4re zu ziehen. Auch ging er nicht nonchalant hinweg \u00fcber diese gedankenlos vorgetragene Beleidigung seiner Intelligenz. Er widerstand dem systemrelevanten Reflex des sofortigen Antwortens ohne vorher nachgedacht zu haben, indem er kurz innehielt und reflektierte.<\/p>\n<p>\u201eAch wissen sie, Herr Gottschalk\u201c hob er schlie\u00dflich an und wiegte seinen Kopf so, wie wir es auch von Peter Scholl Latour oder Helmut Schmidt kennen, wenn sie auf Fragen antworten sollen, die eigentlich keiner Beantwortung bed\u00fcrfen. \u201eWissen Sie, was soll ich halten von einer Kunst, die die Bet\u00e4ubung des Publikums voraus setzt?\u201c<\/p>\n<p>Die Zeit ist um, wir sind betroffen, der Vorhang f\u00e4llt und alle Fragen offen. Danke, verehrter Marcel-Reich Ranicki f\u00fcr Antworten, die mich sprachlos vor Staunen zur\u00fcck lie\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Rote Teufel<\/h3>\n<p>Morgens die Ersten im pulvrigen Schnee,<br \/>\nlassen wir Sorgen und N\u00f6te zur\u00fcck,<br \/>\ntrinken Rum im Becher mit gl\u00fchendem Tee<br \/>\nund f\u00fchren G\u00e4ste auf Skiern zum Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Bei K\u00e4lte und Eis, dem Himmel ganz nah,<br \/>\nreizt uns der Wechsel von Schatten und Licht,<br \/>\nnirgends sonst strahlt das Blau so klar,<br \/>\nnirgends sonst ist der Nebel so dicht.<\/p>\n<p>Auf steilen H\u00e4ngen hoch \u00fcberm Meer<br \/>\nziehen wir Spuren mit Kanten aus Stahl<br \/>\nund ist der Aufstieg auch m\u00fchsam und schwer<br \/>\njauchzen wir seelig bei der Abfahrt ins Tal.<\/p>\n<p>Wirklich frei sind wir erst, wenn die andern ermatten<br \/>\nfahren wieder hinauf, sehen wie die Sonne erlischt,<br \/>\nsteigen im Mondlicht auf gl\u00e4nzende Latten<br \/>\nund schwingen berauscht durch kristallene Gischt.<\/p>\n<p>Die goldene Gams auf rotem Gewand<br \/>\nziert unser Wappen als Teufel am Berg,<br \/>\ndie sch\u00f6nsten Gipfel im Tiroler Land<br \/>\nbilden den Rahmen f\u00fcr unser sportliches Werk.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Merkw\u00fcrdige \u2013 mein Nachruf auf G\u00f6tz George G\u00f6tz George hat uns in vielen Rollen fasziniert. Auf der B\u00fchne, im Kino und im TV. So richtig &#8222;ber\u00fchmt&#8220; wurde er jedoch als meist schlecht gelaunter Tatort-Kommissar, der gerne auch mal selbst Hand anlegte, um \u00a0Verbrechen in den Griff zu bekommen und \u00dcbelt\u00e4ter unsch\u00e4dlich zu machen. Sicherlich &hellip; <a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?page_id=218\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kultur<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=218"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":384,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218\/revisions\/384"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}