{"id":174,"date":"2015-02-10T14:44:15","date_gmt":"2015-02-10T14:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?p=174"},"modified":"2015-04-09T14:40:34","modified_gmt":"2015-04-09T14:40:34","slug":"roter-teufel-teil-2-mein-leben-zwischen-himmel-und-holle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?p=174","title":{"rendered":"Roter Teufel (Teil 2) \u2013 Mein Leben zwischen Himmel und H\u00f6lle"},"content":{"rendered":"<div class=\"column\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-176\" src=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700-300x200.jpg\" alt=\"IMGS3700\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700-220x146.jpg 220w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700-340x226.jpg 340w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMGS3700.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>17. Dezember. Es ist soweit. Die Theorie macht den Anfang. Gerade die A\u0308lteren unter uns sind besonders nervo\u0308s. Haben wir doch seit Jahren keine Pru\u0308fung mehr ablegen mu\u0308ssen. Fu\u0308hrerschein, Abi,Tauchschein, Segelschein \u2013 alles eine Ewigkeit her! Plo\u0308tzlich ertappt man sich bei dem Gedanken, einen Spickzettel anlegen zu wollen. Katrin hat sich ein paar Formeln mit Kuli auf die Innenfla\u0308chen ihrer Ha\u0308nde geschrieben und ich wiederhole mit geschlossenen Augen mantrama\u0308\u00dfig die 10 FIS-Gesetze. Doch alles geht glatt. Es zahlt sich aus, dass wir in den Abendstunden den Stoff brav repetiert haben. Als wir nach rund einer Stunde die Halle verlassen und uns fu\u0308r den praktischen Teil der Pru\u0308fung vorbereiten, sind wir guten Mutes.<\/p>\n<p>Drei Pru\u0308fungen gilt es nun noch sicher und schulma\u0308\u00dfig zu fahren. Neben dem Kurven und Carven Grundstufe, wartet noch der so genannte Trichter, den wir hinunter schwingen mu\u0308ssen. Dabei ist es wichtig, am Ende vor den aufmerksamen Augen der Pru\u0308fer in perfekter<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Haltung zum Stillstand zu kommen. Einen Moment auf dem falschen Ski gestanden, und alles ist hin. Ich denke an meine Skischutzheiligen Toni Sailer und Luis Trenker und bitte sie um Beistand. Dreimal unbewegte Mienen. Ein gutes Zeichen. Zumindest dann, wenn man sich auf die nonverbale Kommunikation des Tirolers versteht.<\/p>\n<p>Drei Stunden spa\u0308ter hat der anfa\u0308ngliche Alptraum ein traumhaftes Ende. Die Jury befindet, dass wir ab sofort zum Skilehren im organisierten Skiraum befa\u0308higt sind. Wir sind glu\u0308cklich und feiern ausgelassen. Allerdings spare ich mir den obligatorischen Gang ins Londoner, da es am na\u0308chsten Morgen vom Bahnhof Kitzbu\u0308hel-Hahnenkamm u\u0308ber Wo\u0308rgl und Mu\u0308nchen zuru\u0308ck nach Berlin geht. Noch ein paar Tage bis zum Weihnachtsfest, das traditionell mit der Gro\u00dffamilie in Aachen gefeiert wird und ku\u0308rzer als sonst ausfallen wird. Denn am 26. Dezember mu\u0308ssen die neuen Teufel bis spa\u0308testes 18 Uhr im Bu\u0308ro zur Einkleidung erscheinen. Dann wird sich zeigen, was die Theorie in der Praxis wert ist und wie es sich anfu\u0308hlt, im knallroten Toni Sailer-Outfit voraus zu fahren. Wer wird mein erster Schu\u0308ler sein? Anfa\u0308nger, Intermediate oder ein Ko\u0308nner? Kind, Frau, Mann oder gleich eine Gruppe? Daitscher, O\u0308sterreicher, Engla\u0308nder oder Russe? In wenigen Tagen werde ich es wissen.<\/p>\n<p>Die Gans ist gegessen und Kitzbu\u0308hel hat mich wieder. Mir wird der Skilehrerausweis und ein Handy mit den Kurzwahlen der Kollegen sowie den Nummern der diversen Rettungsdienste ausgeha\u0308ndigt. Hinzu kommt das Erste Hilfe Set fu\u0308r den Fall der Fa\u0308lle. Alles ist unbedingt mitzufu\u0308hren. Renate, die unter anderem fu\u0308r die Ausru\u0308stung der Roten Teufel verantwortlich ist, kleidet mich noch am Abend des 2. Weihnachtsfeiertages ein. Ich bekomme wirklich fesche Gwa\u0308nder nebst Stirnband, Mu\u0308tze und mit unserem Logo bestickte schwere Lederhandschuhe. Klar, dass diese Ausru\u0308stung nicht in die Taschen des gut geschnittenen Anoraks passt. Also investiere ich noch in einen speziellen Tourenrucksack, der es mir erlaubt, weitere nu\u0308tzliche Gegensta\u0308nde wie Kamera, Wasserflasche, Sonnenschutzmittel, Ersatzmu\u0308tze und ein zweites Paar Handschuhe auf der Piste mitzufu\u0308hren.<\/p>\n<p>Wie alle anderen, die noch keinen Gast haben, erscheine ich morgens um neun Uhr im Bu\u0308ro. Rudi Sailer jun., der Sohn des Skischulleiters, u\u0308bergibt mir stumm ein winziges Zettelchen auf dem ein schwer zu entziffernder Name und 9.30 Uhr steht. Ich frage, ob der Kunde \u201eKasper\u201c hei\u00dft und ernte ein kurzes \u201eWos i net\u201c. Als ich nach dem Treffpunkt frage, ist er mit seinen Gedanken schon wieder woanders, fixiert den Monitor vor sich und telefoniert mit einem seiner drei Telefone. Er ist der Einteiler, also eine Art Broker, der die Anfragen der Ga\u0308ste sichtet und an die richtigen Kandidaten weiterleitet. Der Mann hat cirka 300 ho\u0308chst unterschiedliche Typen im Kopf. Er kennt die Namen seiner Spezis und wei\u00df \u2013 was noch viel wichtiger ist \u2013 wer welche Sprache spricht. Dies ist im doppelten Sinn zu verstehen.<\/p>\n<p>Denn es geht nicht nur darum, einem russischen Gast einen Skilehrer zur Verfu\u0308gung zu stellen, der nasdrowje versteht. Er muss auch wissen, inwieweit der Lehrer nervlich belastbar ist. Kommt sie mit einem schreienden, sich auf der Piste wa\u0308lzenden Kind zurecht? Hat er das Durchsetzungsvermo\u0308gen, um einer kaprizio\u0308sen Milliona\u0308rsgattin klar zu machen, dass auch Sie in der Liftschlange anstehen muss und in eine Sechs-Personengondel manchmal tatsa\u0308chlich auch sieben Menschen dra\u0308ngen? Ein Job also, der viel Fingerspitzengefu\u0308hl, eine ausgepra\u0308gte Menschenkenntnis und vor allem Timing abfordert. Zum Glu\u0308ck ist Rudi einer der besten Golfer der Alpenrepublik, arbeitet im Sommer als Pro (Handicap +4), hat ein u\u0308beraus sensibles Ha\u0308ndchen und blickt durch.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Resi, die gute Seele im Bu\u0308ro und eine Art Mutter der Kompanie, erbarmt sich meiner und erkla\u0308rt mir, dass ich ins Hotel Erika muss, um den dort logierenden Gast in Empfang zu nehmen. Der Weg ist weit und die Zeit knapp. Also wackele ich im Schweinsgalopp, die neuen Skischuhe an den noch immer schmerzenden Fu\u0308\u00dfen, Richtung Hotel. Ski auf der Schulter mit den Schaufeln in Laufrichtung. Wer sie unter dem Arm tra\u0308gt und auf Ernst Hinterseer, den stellvertretenden Leiter der Skischule und Bruder des bekannten Tiroler Schmusebarden trifft, hat ganz schlechte Karten. Schwitzend komme ich an die Rezeption und erkundige mich nach einem Gast namens Kasper. \u201eSie meinen sicher Herrn Karpov\u201c, entgegnet mir die freundliche Concierge und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Eine Viertelstunde spa\u0308ter erscheint Mr. Karpov samt Gattin Margaux und einer siebenko\u0308pfigen Entourage. Sie ist eine Scho\u0308nheit, Mitte 20 und spricht einwandfrei Englisch. Herr Karpov schenkt mir ein knappes Kopfnicken und sieht genau so aus wie man sich einen steinreichen Oligarchen vorzustellen hat. Gro\u00df, mit stattlichem Bauch und Gesichtszu\u0308gen, die signalisieren, dass man diesem Mann besser nicht widerspricht. Im komfortablen Minibus und zwei BMW \u0301s geht es zur Fleckalmbahn. Ich frage mich insgeheim, wie die schweren Jungs wohl mit ihren Brettern zurecht kommen.<\/p>\n<p>Oben angekommen, bedeutet mir ein Leibwa\u0308chter, dass jetzt erstmal Gluhwein auf der Tagesordnung steht und ich trinke brav mit. Die mir angebotenen Fla\u0308schchen Ja\u0308germeister lehne ich jedoch ho\u0308flich, aber bestimmt ab. Schlie\u00dflich bin ich auch dazu da, Mrs. Karpov vor jeglicher Unbill zu schu\u0308tzen und mo\u0308chte mir nicht vorzustellen, was passiert, wenn ihr etwas passiert. Ein halbwegs klarer Kopf empfiehlt sich also.<\/p>\n<p>Endlich geht es auf die Piste. Die Ma\u0308nner lachen laut und bedenken sich mit derben Spa\u0308\u00dfen. Zu meiner U\u0308berraschung fahren sie durchweg akzeptabel. Technische Ma\u0308ngel werden durch Schnelligkeit kompensiert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 8\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Ein Kollege und Russenspezialist hat uns vorgewarnt und erkla\u0308rt, dass es keine gute Idee ist, die mit einem unerschu\u0308tterlichem Selbstbewusstsein ausgestatteten Russen zu kritisieren. Schon gar nicht dann, wenn Frauen in der Na\u0308he sind. Also streue ich ein paar Euphemismen auf Englisch ein, von denen ich nicht wei\u00df, ob sie u\u0308berhaupt verstanden werden.<\/p>\n<p>Die Jungs haben sichtlich Spa\u00df und donnern wie Kanonenkugeln die zum Glu\u0308ck noch fast leeren Pisten herunter. Ich umkreise Margaux, fahre saubere Bo\u0308gen vor und melde rechtzeitig jede auch noch so kleine Eisplatte auf der Piste. Gleichzeitig scanne ich den ru\u0308ckwa\u0308rtigen Raum und halte jeden Snowboarder oder Skifahrer, der in der Na\u0308he von uns fa\u0308hrt oder unsere Spur kreuzen will, im Auge. Bei fortgeschrittenen Snowboardern ist besondere Vorsicht angesagt. Man kann ihre plo\u0308tzlichen Richtungswechsel schwer voraus ahnen und sollte immer auf den worst case gefasst sein. Schnell bemerke ich, dass mein rotes Gwand ungefa\u0308hr dieselbe Wirkung hat wie die Schnauze eines Porsches im Ru\u0308ckspiegel eines Golffahrers auf der linken Spur der Autobahn. Die Leute machen schnell und bereitwillig Platz. Hinzu kommt, dass meine Russen jede Menge Schnee aufwirbeln, was ebenfalls hilfreich ist.<\/p>\n<p>Nach eineinhalb Stunden Pistenspa\u00df sind meine Moskowiter Schu\u0308tzlinge schon wieder durstig. Nicht etwa dehydriert. Das von mir zwischendurch angebotene Wasser hat nur Margaux konsumiert. Nein, jetzt muss etwas ran, was Herz und Seele erwa\u0308rmt. Ich schlage die Sonnbu\u0308hel vor. Eine Hu\u0308tte, die von den meisten Skilehrern eher selten angefahren wird. Denn dort sind die Preise im Vergleich zu anderen alpinen Restos exorbitant und es gibt nicht die sonst u\u0308blichen Sonderpreise fu\u0308r Ski Instructors. Wa\u0308hrend der Ausbildung hat uns Beppo dort einmal auf einen Espresso eingeladen und mit malizio\u0308ser Miene erwa\u0308hnt, dass hier die Chickimicki zuhaus san. Egal, jetzt san die Russ hier zuhaus und fu\u0308r diese Klientel ist das Beste gerade gut genug.<\/p>\n<p>Kurze Zeit spa\u0308ter sitzen wir an einem reich gedeckten Tisch 2000 Meter u\u0308ber dem Meer. Nach einem ausgedehnten Gelage bin ich froh, dass der Bindungseinstieg auf Anhieb funktioniert. Diverse Tequillas, hei\u00dfe Witwen und ein sehr guter Wei\u00dfwein lassen einen quasi von selbst schwingen. Auch die feste Kost war reichlich und von erlesener Qualita\u0308t. Wa\u0308hrend ich mittags normalerweise eine Gulaschsuppe oder Tiroler Gro\u0308stel zu mir nehme, habe ich jetzt den angenehmen Nachgeschmack von Scampi in Knoblauch auf der Zunge. Angesichts der u\u0308ppigen Bestellung verzieht der Kellner auch keine Miene als einer der sta\u0308mmigen Bodyguards darauf besteht, Kaiserschmarrn mit Wu\u0308rstel auf seinen Teller zu bekommen. Eine Kombination, die hier sonst wohl nur bei schwangeren Frauen durchgehen wu\u0308rde.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 9\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Rechnung liegt im vierstelligen Bereich und mein Gastgeber zahlt mit einer Contenance, die klar macht, dass Geld fu\u0308r ihn kein Thema ist. Und doch ist ihm Eitelkeit wie Gro\u00dfmannsucht fremd. Er spreizt sich nicht wie viele der hier tafelnden Ga\u0308ste. Mit einer angenehmen Selbstversta\u0308ndlichkeit genie\u00dft er den Service, achtet penibel darauf, dass jeder von allem genug bekommt und freut sich u\u0308ber die Freude des Kellners bei der Begleichung der Rechnung, die er um ein u\u0308ppiges Trinkgeld aufstockt.<\/p>\n<p>Die na\u0308chsten zwei Tage nehme ich Abends nur noch Yoghurt zu mir und verzichte auf das eigentlich obligatorische Bierchen unter Kollegen auf der Streifalm. Am Ende des dritten Skitages teilt mir Margaux mit, dass ich um 19 Uhr zum gemeinsamen Diner im Hotel Erika eingeladen bin. Ich erscheine pu\u0308nktlich und werde freundlich begru\u0308\u00dft. Es gibt Bortsch nebst Zander und Wodka mit sauren Gu\u0308rkchen. In Windeseile habe ich vier gro\u00dfe Wodkas intus und taue auf. Meine Kunden wollen wissen, was ich im Sommer mache, und ich erza\u0308hle ihnen, dass ich meinen Lebensunterhalt mit Schreiben verdiene, was sie ganz offensichtlich nicht befriedigt. Ich murmele etwas von Literatur und erwa\u0308hne Puschkin und Dostojewski. Plo\u0308tzlich kommt mir eine Idee. Ich schlage vor, Rilkes beru\u0308hmte Fabel Der Panther sehr frei interpretiert auf russische Art vorzutragen. Die Russen sind einverstanden und ein Dolmetscher wird an unseren Tisch beordert. Ich erhebe mich, trinke noch einen Wodka und setze an:<\/p>\n<p>Mein Blick ist vom Voru\u0308berziehen der Wodkas so mu\u0308d \u0301 geworden, das er nichts mehr ha\u0308lt. Mir ist als ob es tausend Wodkas ga\u0308be und hinter tausend Wodkas keine Welt.<\/p>\n<p>Mein schwankend Gang geschmeidig starker Schritte, der meinen Kopf nun immer schneller dreht, ist wie ein Tanz um eine Mitte, in der beta\u0308ubt ein gro\u00dfer Wille steht.<\/p>\n<p>Doch endlich senkt sich sanft der Schleier der Pupille, es geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille und ho\u0308rt im Herzen auf zu sein.<\/p>\n<p>Meine Gastgeber sind begeistert und wollen mehr. Mehr Wodka, mehr Gedichte. Nach zwei Zugaben entwickelt sich ein anregender Dialog u\u0308ber Musik, Literatur, Skifahren und all das, was Leben lebenswert macht. Es ist schon weit nach Mitternacht als ich mich sternhagelvoll, aber glu\u0308cklich auf den Ru\u0308ckweg mache. Ich erwache ohne die Spur eines Katers und mache mich wieder auf den Weg ins Hotel. Ein gut gelaunter Alexander Karpov reicht mir die Hand,<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 10\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>nennt mich erstmals Gospodin und erkla\u0308rt, dass ich heute frei habe, weil sie Curling spielen wollen. Ich schwebe beglu\u0308ckt davon und kann den ersten Tag seit meiner Ankunft frei laufen. Diesen Tag nutze ich, um das Gebiet und vor allem die unterschiedlichen Skirouten zu studieren. Denn in diesem Punkt haben unsere Ausbilder offensichtlich auf unsere autodidaktischen Fa\u0308higkeiten vertraut, was allerdings u\u0308ble Folgen haben kann. Schlie\u00dflich ist es fast unmo\u0308glich, in der Ku\u0308rze der Zeit alle Pisten im Kopf zu haben. Zudem gibt es kaum etwas Peinlicheres als einen Skilehrer, der mit den Schultern zucken muss, wenn er nach dem Weg oder einer speziellen Abfahrt gefragt wird. Und, glauben Sie mir, wir werden oft gefragt!<\/p>\n<p>So hatte ich von einer mittelschweren Talabfahrt nach Kirchberg geho\u0308rt, die ich mit meinen Russen zum Abschluss eines langen Skitages testen will. Auf der Panoramakarte des Skigebietes habe ich mir die Nummer der Abfahrt eingepra\u0308gt. Zudem ist die Piste als rot klassifiziert und damit fu\u0308r durchschnittliche Skifahrer locker zu bewa\u0308ltigen. Doch der Zufall will, dass wir kurz vor dem Start unerwarteten Zuwachs bekommen. Das Funkgera\u0308t eines Begleiters piepst, es hei\u00dft stoj und nach wenigen Minuten kommt Karpovs cirka vierja\u0308hrige Tochter in Begleitung der babuschka hinzu. Die Kleine bringt locker 20 Kilo auf die Waage und bekommt gerade mal den Schneepflug auf die Reihe. An ein Zuru\u0308ck ist jetzt nicht mehr zu denken. Es hei\u00dft Markusch, show us the way und los geht \u0301s.<\/p>\n<p>Nach der Ha\u0308lfte der Abfahrt ist das Kind am Ende seiner Kra\u0308fte. Also nehme ich das Ma\u0308dchen zwischen die Beine und versuche sie auf diese Weise den Berg hinunter zu bringen. Nach kurzer Zeit brennen meine Oberschenkel wie Feuer und auch mein Ru\u0308cken schickt in immer ku\u0308rzeren Absta\u0308nden u\u0308ble Ru\u0308ckmeldungen. Hinzu kommt, dass die Piste eine Premiere fu\u0308r mich darstellt und ich an jeder Abzweigung ins Schwitzen komme. Sicherlich wird mein Gast mehr als nur die Stirn runzeln, wenn wir plo\u0308tzlich wieder an einem Lift ankommen und nicht an der Talstation, wo die Abholer schon warten. Jetzt nur keine Unsicherheit zeigen, denke ich und tue so als wu\u0308rde ich die Strecke blind kennen. Verflucht, immer noch keine T alstation in Sicht. Die Kleine wird immer nervo\u0308ser und meine u\u0308berbeanspruchten Beine fangen an zu zittern wie Cavellinhos bei einer Schussfahrt. Es hilft nichts. Ich muss die Taktik a\u0308ndern. Mit einem gequa\u0308lten Grinsen u\u0308bergebe ich Alexander die Skisto\u0308cke und klemme mir seine Tochter wie ein Bierfass unter den rechten Arm. So bin ich wesentlich schneller, aber das Risiko einer Verletzung bei einem mo\u0308glichen Sturz steigt ebenfalls. Nach fu\u0308nf Minuten nehme ich sie unter den linken Arm, um meine Bandscheiben wenigstens ausgeglichen zu scha\u0308digen. Als endlich die ersten Tra\u0308ger der Seilbahn auftauchen, ka\u0308mpfe ich mit den Tra\u0308nen. Meine Kunden schwa\u0308rmen von der Abfahrt und loben meine Ortskenntnis. Ich sehe keinen Grund, sie zu korrigieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 11\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Der letzte Tag mit meinen ersten Ga\u0308sten verla\u0308uft ohne besondere Vorkommnisse. Ich erhalte ein fettes Trinkgeld nebst einen Beutel mit gefrorenen Fischen. Wir verabschieden uns aufs Herzlichste und wu\u0308nschen uns einen guten Rutsch ins Neue Jahr. In wenigen Stunden ist Silvester. Aber ich will nicht rutschen. Ich will springen! Traditionell steigt in Kitzbu\u0308hel mit Einbruch der Dunkelheit am 1. Januar ein gro\u00dfes Fest im Zielraum der Streif. Mehr als 10.000 Schaulustige kommen zusammen, um ein Feuerwerk der Extraklasse zu erleben und die Galavorfu\u0308hrung der Roten Teufel zu bewundern. Alle rund 300 Ski- und Snowboardlehrer mu\u0308ssen per Fackel im Zielhang die neue Jahreszahl illuminieren. Alle? Nein, nicht alle. Denn allja\u0308hrlich dra\u0308ngt es eine Elite der Roten Teufeln zu einem na\u0308chtlichen Fackellauf mit anschlie\u00dfender Feuertaufe. Spa\u0308testens als Rudi Sailer Senior bei der ersten Vollversammlung aller Lehrerinnen und Lehrer im Kitzbu\u0308hler Kolpinghaus das Ritual erwa\u0308hnt und diejenigen, die es heuer wieder wagen wollen, eindringlich vor der Schanze, die man nit siekkt warnt, wa\u0308chst in mir der Wunsch, dabei zu sein.<\/p>\n<p>Doch der Wunsch allein reicht nicht, um dieser Truppe anzugeho\u0308ren. Es gilt, einen Testsprung u\u0308ber eine ca. 2,50hohe Schanze zu absolvieren, hinter der sich eine 2 x 2 Meter gro\u00dfe Stahlwanne befindet, die wiederum einen Scheiterhaufen beheimatet. Die Probe findet bei Tageslicht und ohne Feuer statt, was der Sache einen zusa\u0308tzlichen Kick beschert.<\/p>\n<p>Ich feiere Silvester erstmals seit Jahren dezent und verzichte auf jeglichen Abusus. Gut ausgeschlafen, gleite ich am Nachmittag des 1. Ja\u0308nner 2010 Richtung Zielraum. Als ich dort eintreffe, ist eine Pistenraupe schon dabei, das Katapult aus Schnee aufzuschichten. Ernst Hinterseer ist auch vor Ort und eine kleine Anzahl durchweg gut austrainierter Teufel. Ich packe meine Kamera aus und knipse ein paar Fotos. Dann machen sich die ersten Freiwilligen an den Aufstieg. Ich will mich dazu gesellen als Ernst auf mich zukommt. Er ist ein gro\u00dfer, schlanker, gut aussehender Mann, der auch einen amerikanischen Senator geben ko\u0308nnte. \u201eDu willst doch nicht etwa hupfen\u201c, sagt er mit ernster Miene \u201ebischt doch fascht fuffzg!\u201c. Ich grinse, pariere mit einem wenig u\u0308berzeugenden \u201eNa und?\u201c und steige im Pinguinschritt die cirka 60 Meter auffi. Na prima, denke ich mir und verfluche Ernst insgeheim fu\u0308r seine sicherlich gut gemeinte Warnung. Lass es, meldet meine linke Gehirnha\u0308lfte. Just do it, sagt die rechte.<\/p>\n<p>Nachdem ich die ersten beiden Springer mit Argusaugen beobachtet habe, setze ich zur Schussfahrt an. Allerdings ohne mich wie die beiden Vorla\u0308ufer kra\u0308ftig abzusto\u00dfen und die Geschwindigkeit auf den ersten Metern per Schlittschuhschritt auch noch zu forcieren.<\/p>\n<p>Es geht gerade so gut, da ich denkbar knapp hinter der Wanne aufsetze und froh bin, dass es mich nicht einihaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-175\" src=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170-300x200.jpg\" alt=\"IMG_0170\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170-220x146.jpg 220w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170-340x226.jpg 340w, http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_0170.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p>Andi, ein junger Einheimischer, technischer Leiter der Roten Teufel und ein exzellenter Skifahrer befindet, dass ich noch einmal hupfen muss. Auch ein junger Holla\u0308nder darf noch einmal aufsteigen. Diesmal steige ich ein paar Meter ho\u0308her hinauf und gebe richtig Gas. Passt! Ich bin dabei. Als einer von 17 Hupfern werde ich durchs Feuer fliegen! Zusammen mit den anderen geht\u2019s in die Kleiderkammer, um spezielle Anzu\u0308ge anzulegen. Ich denke sofort an asbestversta\u0308rkte Textilien. Die Realita\u0308t ist ernu\u0308chternd. Ich reiche Renate mein blitzsauberes Toni Sailer Outfit und erhalte ein Exemplar, das nur im Dunkeln gut aussieht. Man will wohl Nummer sicher gehen. Au\u00dferdem erfahre ich, dass man schon lang kainen Daitschen mehr grillt hat, was sich wenig vorteilhaft auf meine Psyche auswirkt.<\/p>\n<p>DER LETZTE TEIL FOLGT AM 17. FEBRUAR 2015<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Dezember. Es ist soweit. Die Theorie macht den Anfang. Gerade die A\u0308lteren unter uns sind besonders nervo\u0308s. Haben wir doch seit Jahren keine Pru\u0308fung mehr ablegen mu\u0308ssen. Fu\u0308hrerschein, Abi,Tauchschein, Segelschein \u2013 alles eine Ewigkeit her! Plo\u0308tzlich ertappt man sich bei dem Gedanken, einen Spickzettel anlegen zu wollen. Katrin hat sich ein paar Formeln mit &hellip; <a href=\"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/?p=174\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Roter Teufel (Teil 2) \u2013 Mein Leben zwischen Himmel und H\u00f6lle<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=174"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":268,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions\/268"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.xn--wortwrtlich-vfb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}